Ernährung

Die Vollwert-Ernährung – ein ganzheitliches Ernährungskonzept

Die Vollwert-Ernährung nach der Gießener Formel ist ein Ernährungskonzept, das neben dem individuellen Gesundheitswert noch weitere Aspekte der Auswirkung von Ernährung in den Mittelpunkt rückt:

Dem Gesundheitsaspekt wird durch eine stark pflanzlich orientierte Ernährungsweise Rechnung getragen. Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte bilden die Basis. „Angereichert“ wird das Nahrungsangebot mit Milch- und Milchprodukten und mit kleinen Mengen Fleisch, Fisch und Eiern. Dabei werden Fleisch und Fisch nicht ausdrücklich empfohlen, allerdings aus nicht untersagt. Auf naturbelassene, frische und gesundheitlich wertvolle Lebensmittel wird besonderer Wert gelegt, ebenso wie auf unerhitzte Frischkost („Rohkost“). Bei Frischkost sollte allerdings auf die individuelle Verträglichkeit geachtet werden. Kleine Mengen, sorgfältig gekaut, sind in der Regel auch für „Ungeübte“ bekömmlich.

[Abb.: modifiziert nach von Koerber, Männle, Leitzmann; Vollwert-Ernährung. S. 4]

Unabhängig von der Gesundheit des Einzelnen hat jede Ernährungsentscheidung noch weitreichendere Folgen: Wo kommt meine Nahrung her? Unter welchen Bedingungen wird sie von wem produziert? Wie weit muss sie transportiert werden? Wer verdient mit meinem Essen? Wird dabei Mensch und Umwelt belastet oder geschont?
All diese Fragen und Aspekte, die häufig bei der Nahrungsmittelauswahl nicht berücksichtigt werden und zuweilen auch nicht mit der Individualgesundheit in direktem Zusammenhang stehen, fließen in das Konzept der Vollwert-Ernährung mit ein. Aus diesen ganzheitlichen Überlegungen ergeben sich eine Reihe von Empfehlungen, die die Umsetzung der Vollwert-Ernährung im Alltag erleichtern.

  1. Bevorzugungen Sie pflanzliche Lebensmittel.
  2. Bevorzugungen Sie gering verarbeitete Lebensmittel.
  3. Genießen Sie etwa ein Drittel bis die Hälfte der Nahrung als Frischkost.
  4. Bereiten Sie Speisen aus frischen Lebensmitteln zu, schonend und mit wenig Fett.
  5. Vermeiden Sie Lebensmittel mit Zusatzstoffen.
  6. Vermeiden Sie gentechnisch veränderte und bestrahlte Lebensmittel.
  7. Bevorzugen Sie Erzeugnisse aus kontrolliert-biologischem Anbau.
  8. Bevorzugen Sie regionale und saisonale Produkte.
  9. Bevorzugen Sie unverpackte oder umweltschonend verpackte Lebensmittel.
  10. Verwenden sie umweltverträgliche Produkte.
  11. Verzichten Sie weitgehend auf tierische Produkte und vermindern sie so sog. „Veredelungsverluste“*.
  12. Bevorzugen Sie Erzeugnisse, die unter sozial verträglichen Bedingungen produziert werden (z.B. Produkte aus fairem Handel).

*) Veredelungsverluste treten bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel auf. Dabei werden Nahrungsmittel, die direkt der menschlichen Ernährung dienen könnten (z.B. Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln) an Tiere verfüttert. Ein Großteil des Energiegehaltes von pflanzlichen Nahrungsmitteln geht hier verloren. Von der gleichen Ackerfläche können demnach sehr viel mehr Menschen ernährt werden, wenn die darauf angebauten Nahrungsmittel direkt der menschlichen Ernährung zukommen, ohne den „Umweg“ über das Tier zu machen.